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Aktie des Monats: Asien-Boom und Dividende

Zwei Reisen nach China und Singapur im vergangenen Herbst haben mir glasklar bestätigt, was ich zwar wusste, aber so kristallklar noch nie mit eigenen Augen gesehen hatte: Wirtschaftswachstum im 21. Jahrhundert findet nicht in Europa und nur noch begrenzt in Nordamerika statt. Die eigentlichen Boomregionen sind die Länder Asiens, die längst im 21. Jahrhundert angekommen sind. Nicht nur, dass der Großteil der Weltbevölkerung dort lebt. Der Hunger nach wirtschaftlichem Erfolg und einem besseren Leben, nach Teilhabe am technischen Fortschritt, die Kreativität, der Fleiß und die Innovationsfreude lassen Europa und die USA buchstäblich alt aussehen. Die Digitalisierung im öffentlichen Leben hat einen Grad erreicht, der in Deutschland undenkbar ist. Ich habe in vier Wochen in China, Hongkong, Singapur und Macao nicht eine einzige Banknote gesehen, selbst die 12 Cent für die U-Bahn-Fahrt in der Technologiehochburg Shenzhen habe ich mit dem Handy bezahlt. Es gibt schlicht keine physischen Fahrscheine mehr, keine Papierrechnung im Hotel oder eine Fahrkarte für den Bullet-Train von Shenzhen nach Hong Kong.

Seit über einem Jahr bin ich deswegen auch in zunehmendem Maße in Asien investiert. Das Terrain ist nicht einfach zu beackern, Recherchen sind deutlich aufwändiger und Informationen nicht so einfach und standardisiert zugänglich, wie ich das aus den USA gewohnt bin.

Als ich also kürzlich darüber nachdachte, mein Engagement im Kommunikations-Sektor auszubauen, fiel mein Blick natürlich zunächst auf die gewohnten Firmen der westlichen Hemisphäre. Statt aber den bequemen Weg zu gehen, und in eine T-Mobile USA, Verizon, die Deutsche Telekom oder ähnliche Unternehmen zu investieren, habe ich die Mühe auf mich genommen, in Asien nach Firmen aus dem Telekom-Sektor zu suchen. Es gibt jede Menge Firmen, die an und mit der Digitalisierung, dem Wachstum von Internet, Datenverkehr, Streaming und Social Media Geld verdienen. Nur eine konnte es im Januar aufs Treppchen der Aktie des Monats schaffen und so habe ich mich für die Singapore Telecommunications Ltd. entschieden – kurz wird sie Singtel genannt.

Das Unternehmen hat Wurzeln, die 140 Jahre zurückreichen, in seiner aktuellen Form ist es 1992 entstanden und wurde 1993 in Singapore an die Börse gebracht. In vielerlei Hinsicht unterscheidet sich mein Einstieg in diese Firma von bisherigen Investments. So habe ich eine Aktie gekauft, die in den vergangenen zwölf Monaten um rund 45% gestiegen ist. Das KGV von mehr als 25 ist hoch im Vergleich zum Durchschnitts-KGV der vergangenen 15 Jahre, das nur bei 16,92 liegt. Das Gewinnwachstum der vergangenen 15 Jahre liegt bei negativen -0,24%. Die Dividende von 3,98% ist für einen Telekom-Wert unterdurchschnittlich. Aber es gibt einige Dinge, die mich begeistern.
In den vergangenen fünf Jahren stieg das Gewinnwachstumstempo drastisch an – auf 11,71% pro Jahr.

Das Unternehmen verkündete 2021 ein Effizienz-Steigerungsprogramm, das den Aktionären zugute kommt und sich seit 2023 in steigenden Dividenden niederschlägt. Ineffiziente Assets werden verkauft, investiert wird in Geschäftsbereiche mit hohem Wachstumspotenzial. Apropos Wachstumspotenzial: Singapur ist ein kleiner Stadtstaat mit begrenztem lokalen Potenzial und einem knochenharten Wettbewerb im Telekom-, Internet- und Datenbereich. Deswegen hat Singtel rechtzeitig seine Fühler über die Grenzen hinaus ausgestreckt:

  • In Singapur selbst betreut das Unternehmen rund 4,5 Mio. Mobilfunkkunden, dazu betreibt man Datencenter und Streaming-Dienste.
  • In Australien ist eine 100%ige Singtel-Tochter namens Optus tätig, die 10,7 Millionen Mobilfunkkunden betreut.
  • Am philippinischen Mobilfunkbetreiber Globe hält Singtel 22,3% der Stimmrechte und verdient an 61,6 Millionen Mobilfunkkunden.
  • In Thailand hat man sich mit 23,3% am Anbieter AIS beteiligt und hat 45,7 Mio. Mobilfunkkunden.
  • Über den indischen Anbieter airtel werden in Indien 361 Mio. Teilnehmer mit Mobilfunk versorgt und in Afrika weitere 166 Mio. Menschen. Der Anteil an airtel liegt inzwischen bei rund 27,5%.

Ein interessanter Fakt am Rande: 2025 hat man zwei kleine Beteiligungspakete an airtel an institutionelle Anbieter in Indien veräußert. Das letzte Paket von 0,8% brachte einen Erlös von 1,5 Mrd. SGD, womit die verbleibenden 27,5% einen Wert von 51 Mrd. Dollar repräsentieren. Setzt man das ins Verhältnis zur Marktkapitalisierung von Singtel, die derzeit bei etwa 75 Mrd. SGD liegt, so wird das gesamte restliche Geschäft von Singtel derzeit an der Börse mit nur 24 Mrd. SGD bewertet, was eine krasse Unterbewertung darstellt.

Was das Unternehmen weiterhin interessant macht: Gut 50% hält das staatliche Investmentunternehmen Temasek in Singapore. Das A-Kreditrating von S&P 500 beruht auf einer geringen Verschuldung, die bei nur knapp 24% der Vermögenswerte liegt. Die Gewinnmarge hat sich im vergangenen Jahr deutlich verbessert und liegt jetzt bei über 8%. Das Management sammelt durch die Verkäufe von so genannten Non-Core-Assets bis 2030 mindestens 9 Mrd. Dollar ein, geplant waren ursprünglich 6 Mrd. Dollar, man hat die Zielmarke kürzlich um 50% augestockt. Dieses Geld fließt komplett in Form von so genannten „Value Realised Dividends“ an die Aktionäre zurück. Im Rahmen des Programms Singtel28 hat sich der Vorstand verpflichtet, die Dividende mindestens bis 2030 jährlich deutlich zu steigern. Bei der Vorlage der Zahlen für das erste Geschäftshalbjahr 2026 im November hat man die Guidance angehoben und erwartet jetzt ein hohes einstelliges bis niedriges zweistelliges Gewinnwachstum. Ein ständig steigender Anteil des Gewinns stammt aus den Auslandsbeteiligungen. Der Nettogewinn des Unternehmens im ersten Halbjahr 2026 lag bei 3,40 Mrd. SGD, davon kamen 920 Mio. aus dem Ausland, was ein Zuwachs um 12% ist. Wäre der Singapur-Dollar nicht so stark gestiegen würde der Gewinnzuwachs sogar 25% betragen.

Natürlich gibt es auch Probleme in einem so technisierten Unternehmen. Im September 2025 gab es beispielsweise in Australien einen Total-Ausfall der Notrufnummern von Optus, was der Reputation des Unternehmens nicht zuträglich war.

Wie schätze ich die Rendite-Chancen angesichts der aktuellen hohen Bewertung ein?

Man kann verschiedenste Szenarien modellieren, ich favorisiere eines, das mir sehr wahrscheinlich erscheint: Wenn die Unternehmensgewinne in Zukunft mit 9,78% pro Jahr wachsen (die Wachstumsrate der abgeschlossenen vergangenen fünf Geschäftsjahre) und gleichzeitig die Aktie sich relativ von dem aktuell recht hohen auf ein 15er KGV verbilligt, wären gut 10% jährliche Rendite realistisch. Für mich ist das ausreichend, zumal die Dividenden in der zweitsichersten Währung der Welt nach dem Schweizer Franken ausgezahlt werden. Funfact am Rande: Singapur hält nicht eine einzige US-Staatsanleihe und ist damit bestens aufgestellt, falls der US-Dollar weiter abwertet und das westliche Finanzsystem zerbröselt.

Wichtig zu wissen wäre noch, dass man Aktien in 100er Lots kaufen muss, daher auch der demokratisch niedrige Aktienkurs. Wenn man für 460 SGD 100 Singtel kauft, macht das ungefähr ein Investment von 300 Euro – eine Größe, die auch für ein übersichtliches Konto erschwinglich ist. Optionen gibt es nicht, daher bin ich auch sofort direkt eingestiegen und habe für 4,57 SGD meine ersten 300 Stücke erworben.

Wie immer gilt: Das Ganze ist keine Empfehlung, jeder passt auf sein Geld selbst auf.

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