Breadcrumb Abstract Shape
Breadcrumb Abstract Shape
Breadcrumb Abstract Shape

Das Broadcom-Dilemma: Verkaufen oder Halten? Mein Standpunkt zum „Tenbagger“

Die Frage, die mich heute beschäftigt, wurde mir von einem Zuschauer gestellt und ist wahrscheinlich eine der intelligentesten Fragen, die man sich als Dividendeninvestor stellen kann. Es geht um unsere Strategie, wenn Aktien zu stark gestiegen sind.

Konkret geht es um den Technologie-Giganten Broadcom. Unser Fragesteller stieg vor Jahren ein, als die Dividendenrendite noch bei etwa 4 % lag. Mittlerweile hat sich der Kurs verzehnfacht, aber die Dividendenrendite ist auf mikroskopische 0,6 % gesunken.

Die logische Frage lautet: Soll ich diesen „Tenbagger“ verkaufen, 25 % Abgeltungssteuer in Kauf nehmen und den Erlös in meine üblichen Dividendenaktien umschichten (4 % Rendite, ca. 6 % Steigerungsrate)? Mathematisch gesehen würde das Einkommen aus diesem Investment schlagartig auf das Achtfache steigen.

Ich vermute, es wird erbitterte Gegner und Befürworter meiner persönlichen Einschätzung geben, denn die Antwort ist alles andere als einfach.

Die Fakten: Warum Broadcom heute kein Kauf mehr wäre

Auch in meiner eigenen Position spiegelt sich das Dilemma wider: Ich konnte mir im Januar 2023 zwei Aktien leisten, als die Dividendenrendite noch bei 3,28 % lag. Heute stehe ich bei einem Kursgewinn von über 517 % in den Büchern.

Ich teile die Einschätzung: Heute wäre die Aktie aufgrund der mikroskopischen Dividendenrendite von nur 0,68 % und einem KGV von über 52 überhaupt kein Kauf mehr. Fastgraf suggeriert sogar eine extreme Überbewertung und ein „Hockeystick Chart“.

Wenn wir nur auf das reine Einkommen schauen, müsste man konsequenterweise die Chips vom Tisch nehmen und Kapitalrecycling betreiben, um das Einkommen sofort zu vervielfachen.

Mein Kompromiss: Warum ich Gewinner ungern verkaufe

Der Verkauf einer solchen Gewinnerposition bringt uns allerdings in eine schwierige psychologische Falle: Man fragt sich entweder, warum man nicht früher verkauft hat, wenn der Kurs fällt, oder warum man verkauft hat, wenn er weiter steigt.

Ich persönlich habe für mich einen Kompromiss gefunden, der zu meiner Strategie passt:

  1. Risikofreiheit und Puffer: Nach einem Kursgewinn von über 400 % hat mein Investment einen Sicherheitspuffer aufgebaut, der es faktisch risikofrei macht. Ich würde selbst bei einem Absturz nur einen Teil meines Gewinns einbüßen.
  2. Die Suche nach dem Nächsten: Ich bin kein guter „Stockpicker“ und halte es für unwahrscheinlich, dass ich ein zweites Mal eine Aktie wie Broadcom entdecke, die der Markt noch nicht erkannt hat. Warum sollte ich ein gutgehendes Unternehmen abstoßen, um eine neue Firma mit 100 % Risiko neu zu gründen und die Tachonadel wieder auf null zurückzusetzen?.
  3. Die Lehren der Meister: Peter Lynch, einer der erfolgreichsten Fondsmanager, prägte das berühmte Bild: Wer seine Gewinner verkauft, gleicht einem Gärtner, der die Blumen rausreißt, um damit das Unkraut zu pflegen. Auch Warren Buffett ist nicht reich geworden, indem er permanentes Portfolio Rebalancing betrieben hat. Dauernde Verkäufe verhindern, dass das Depot auf die astronomischen Summen anschwellen kann.

Ich betrachte solche Positionen mit hohen Kursgewinnen als eine Art „Sparguthaben“. Kommt es zu einem Marktcrash – wie im Frühjahr 2020, Herbst 2022 oder April 2025 – dann kann ich hier große Gewinne realisieren und diese in vielversprechende Alternativen investieren, die gerade eine günstige Bewertung mit deutlich höheren Dividendenrenditen aufweisen.

Ich würde die Position aber nicht vollständig auflösen, sondern nur einen Teil verkaufen, um sofort in ein neues, besseres Unternehmen zu investieren. Ähnlich wie beim Fußball: Man nimmt einen Spieler vom Platz, wenn man einen Besseren auf der Bank sitzen hat.

Fazit

Es kommt darauf an, wie wichtig Ihnen der Aspekt der Vermögensvermehrung ist oder wie wichtig Ihnen der Aspekt des permanent zufließenden Geldes (Einkommen) ist.

Ich selbst entscheide hier häufig diskretionär und sorge dafür, dass ich so wenig wie möglich von meinen Gewinnen anfassen muss. Findet eure eigene Wohlfühlantwort, wie ihr mit solchen Gewinnern umgeht.

Ich wünsche euch ein glückliches Händchen und viel Erfolg! Auf euer Geld müsst ihr am Ende selbst aufpassen.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert