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Dividenden-Schreck LyondellBasell: Droht die nächste Kürzung? Mein Standpunkt

Nachdem ich im August bereits eine Dividendenkürzung bei meinem Schiffsvercharterer SFL erleben musste, stellt sich nun die bange Frage: Ist der Chemie-Riese LyondellBasell (LYB) der nächste Kandidat? Der Markt scheint dies zu antizipieren. Der Aktienkurs des global tätigen und in den Niederlanden ansässigen Unternehmens ist in den letzten 12 Monaten um über 43 % eingebrochen. Solche drastischen Kursabschläge signalisieren üblicherweise, dass eine Kürzung der Dividende bereits eingepreist wird, insbesondere da die Dividendenrendite zum Zeitpunkt dieses Videos bei über 10,1 % liegt.

Ich weiß natürlich nicht, ob die Dividende tatsächlich gekürzt wird oder nicht. Aber schauen wir uns die Fakten an.

Die roten Flaggen: Wo liegt das Problem?

Die hochgradig zyklische Chemiebranche erlebt derzeit erhebliche Gewinnschwankungen. Aktuell belasten insbesondere hohe Rohstoff- und Energiekosten sowie Zollquerelen das Unternehmen. Paradoxerweise könnten diese Zölle LyondellBasell weltweit betreffen, je nachdem, von wo nach wo exportiert oder importiert wird.

Anfang August verfehlte das Unternehmen die Gewinnerwartungen deutlich: Statt erwarteter 78 Cent pro Aktie wurden nur 62 Cent verdient. Noch ernster ist die Cashflow-Situation: Der freie Cashflow (FCF) wird die Dividendenzahlung voraussichtlich nicht decken. Das Unternehmen erwartet in diesem Jahr rund 60 % weniger Gewinn, was zu einer erheblichen Unterdeckung führen könnte, die möglicherweise weitere zwei Jahre anhält. Bei einem erwarteten FCF pro Aktie von 1,42 Dollar in diesem Jahr ergibt sich eine Ausschüttungsquote von über 382 % auf Basis des freien Cashflows.

Zum Vergleich: Konkurrent DOW hat seine Dividende bereits um 50 % gekürzt.

Die grünen Lichter: Was spricht für Stabilität?

Trotz dieser schlechten Nachrichten gibt es gewichtige Argumente gegen eine Kürzung:

  1. Management-Bekenntnis und Historie: Das Management hat sich bei der Vorlage der Zahlen am 1. August sehr stark zur Dividende bekannt und äußerte sich optimistisch, diese weiter zahlen zu wollen. LyondellBasell steigert die Gewinnausschüttung seit 11 Jahren jährlich. Man hat die Dividende im Frühjahr sogar nochmals von 1,34 auf 1,37 Dollar pro Quartal angehoben. Eine solche Anhebung, trotz bekannter wirtschaftlicher Schwäche, macht man in der Regel nicht, wenn man kurz darauf eine Kürzung plant.
  2. Liquiditätspolster: LyondellBasell sitzt auf einem Bargeldbetrag von 1,7 Milliarden Dollar (wobei ein Kassenbestand von 1,5 Milliarden Dollar angepeilt wird). Zusätzlich verfügt das Unternehmen über 4,5 Milliarden Dollar an nicht gezogenen Revolverkrediten. Das ergibt eine kurzfristig verfügbare Liquidität von insgesamt rund 6,4 Milliarden Dollar für mögliche Dividendenzahlungen und andere Zwecke.
  3. Kapitaldisziplin: Das Unternehmen tritt bei den Kapitalinvestitionen (Capex) auf die Bremse. Allein 2025 werden 200 Millionen Dollar eingespart, was 600 Millionen Dollar mehr Cashflow generiert. Die gesamten Einsparungen bei Capex sollen sich im Zeitraum 2023 bis 2026 auf 2,4 Milliarden Dollar summieren.
  4. Strategische Fokussierung: LyondellBasell verkauft margenschwache europäische Standorte, die kaum zum Gesamtgewinn beigetragen haben. Der Verkauf von Produktionsstätten spült zudem kurzfristig Geld in die Kasse.

Mein Fazit und meine persönliche Strategie

Das Bekenntnis des Managements zur Sicherheit der Dividende ist eine Sache, und ich möchte dem Management natürlich glauben. Allerdings liegt das weltwirtschaftliche Umfeld weitgehend außerhalb deren Kontrolle. Sollten die Konjunktur sich stark abkühlen oder unvorhergesehene geopolitische Gegebenheiten die Ertragskraft weiter drücken, könnte das Management widerwillig zur Kürzung gezwungen werden.

Der aktuelle Zyklus des Cashflow-Rückgangs ist nicht der erste in der Geschichte des Unternehmens. Dennoch kann eine Kürzung nicht ausgeschlossen werden.

Was mache ich nun praktisch daraus? Ich habe meine Position in den vergangenen Monaten bereits mehrmals aufgestockt. Ich werde auch im Falle einer begründeten Kürzung an der Position festhalten. Wer das Risiko scheut, dem rate ich, sich weniger zyklische Kandidaten für neue Investments zu suchen. Ich persönlich werde meine Position zurzeit nicht weiter aufstocken, bis wir wieder einen steigenden Cashflow sehen.

Das dritte und vierte Kalenderquartal sind normalerweise Cashflow-stärkere Quartale bei LyondellBasell. Wir dürfen gespannt sein, was uns bei Vorlage der nächsten Zahlen präsentiert wird. Bis dahin gilt meine Devise: Einfach abwarten.

Denkt immer daran: Jeder passt natürlich auf sein Geld selbst auf. Ihr müsst nicht glauben, was ich hier erzählt habe. Trefft eine Entscheidung, die ihr vor euch selbst vertreten könnt!

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