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Hinterfragt: Keine KI im Depot – keine Party?

Ich bin ja ein selbstkritischer Mensch und mir meiner blinden Flecken durchaus bewusst. Neulich also lese ich unter einem Video den Kommentar: „Keine KI-Aktien im Depot? No Party.“ Ich habe mir also mein Depot einmal aus einem anderen Blickwinkel angeschaut: Habe ich KI im Depot? Und schon ergibt sich die erste Frage: Was sind eigentlich die „KI-Werte“, über die hier gesprochen wird? Zählen wir dazu nur Unternehmen wie Amazon, Microsoft, Alphabet & Co., bestenfalls noch den Chiphersteller NVIDIA? Oder gehören dazu eben auch „reife“ Technologieunternehmen wie IBM, Cisco, Texas Instruments oder Dell?

Ich halte natürlich Positionen in Halbleiterherstellern wie Broadcom, Qualcomm oder Texas Instruments. Aber ich halte keine Aktien von NVIDIA, Microsoft, Amazon, Alphabet oder META. Trotzdem hat mein Portfolio seit Jahresbeginn um mehr als 14% zugelegt, während der S&P 500 gute 11% zulegte. Auch auf Fünfjahres-Sicht steht mein Portfolio besser da als der S&P 500 Total Return-Index. Wie kann das sein ohne KI?

An neuen Technologien und Disruptionen verdienen oft die eigentlichen Disruptoren wenig. Amazon, Alphabet, Microsoft & Co. werden Milliarden investieren müssen, die in den kommenden Jahren ihren Gewinn deutlich schmälern. Aber nicht die Goldgräber, sondern die „Schaufelverkäufer“ fahren den eigentlichen Profit ein. Ich habe also nachgesehen, ob die Top-Performer in meinem Depot vielleicht „Schaufelverkäufer“ der KI sind? Hier mal ein Überblick über die 13 besten Performer meines Depots.

In der rechten Spalte des Screenshots ist die reine Kursperformance der 13 Aktienpositionen zu sehen. Natürlich befinden sich unter den Top-Performen Werte wie Broadcom auf Platz drei oder Qualcomm auf Platz 5. Mit etwas Fantasie könnte man Cisco auf Platz 10 zu den KI-Schaufelverkäufern zählen, aber dieses Unternehmen gibt es seit 1984. Damals war Künstliche Intelligenz absolut kein Thema.

Die meisten meiner Gewinner haben mit KI bestenfalls mittelbar oder gar nichts zu tun:

  • Der Erstplatzierte, der Einzelhändler Williams Sonoma, handelt mit Möbeln und Inneneinrichtung.
  • Der Zweitplatzierte, der Glashersteller Corning, profitiert erst in jüngster Zeit von KI – weil die Glasfaserkabel, die dort entwickelt und produziert werden, für die schnelle Datenübertragung notwendig und stark nachgefragt sind. Als ich das Unternehmen 2020 gekauft habe, war es vor allem als Hersteller von Gorilla-Glas für Handy- und Tablet-Displays bekannt. Später profitierte Corning als Hersteller von Glas-Phiolen für Corona-Impfstoffe.
  • Der Motorenhersteller Cummins auf Platz vier steht in keinem Zusammenhang mit KI.
  • Gleiches lässt sich über den Gesundheitsdienstleister Cardinal Health, den Raffinerie- und Pipeline-Betreiber Valero oder das Versicherungsunternehmen Unum sagen.
  • Clear Secure (Kürzel YOU) entwickelt und vertreibt biometrische Personenerkennungssysteme, die vorwiegend an Flughäfen eingesetzt werden.
  • Bladex ist eine lateinamerikanische Außenhandelsbank.
  • Iron Mountain ist zu einem KI-Schaufelverkäufer geworden, als sich das Unternehmen von der Aufbewahrung von physischen auch immer stärker in Richtung auf die Aufbewahrung und Verwaltung elektronischer Dokumente in eigenen Data-Centern entwickelte. Als ich das Untenehmen kaufte, wurde ich belächelt, weil viele das Geschäftsmodell für überholt hielten.
  • Das Biotech-Unternehmen AbbVie nutzt vielleicht KI, ist aber keinesfalls ein KI-Unternehmen.   

Was ich damit sagen will: Der Spruch „Keine KI im Depot – keine Party“ deckt sich absolut nicht mit meiner Erfahrung. Natürlich befeuern die KI-Werte wie Broadcom, Qualcomm u.ä. die Entwicklung des Depots. Aber als ich sie gekauft habe, war von KI noch nicht die Rede. Es gibt andere Faktoren, die für „Party im Depot“ sorgen können. Ausschlaggebend sind meiner Erfahrung nach:

  • Ein breit diversifiziertes Portfolio gesunder, wachsender Unternehmen
  • Eine lange Haltedauer mit wenig Umschichtungen
  • Immer auch ein Quäntchen Glück

Einige wenige Unternehmen, die mehrere hundert Prozent Performance liefern, können ein ganze Depot gigantisch nach vorn bringen. Das erfordert natürlich Geduld und gezieltes Nichtstun.

Wenn KI-Unternehmen wie Microsoft, Amazon, Alphabet & Co. in den kommenden Jahren rund 650 Mrd. Dollar in KI investieren, frage ich mich: An wen fließt dieses Geld? Und das sind neben den Halbleiterherstellern, den Herstellern von Speichermedien, IT-Infrastruktur und Data-Centern auch Energieversorger, Industrie-Ausrüster, Baumaschinen-Hersteller, Hersteller von Kühl- und Klimatisierungstechnik, selbst Rohstoffunternehmen wie ExxonMobil oder Chevron uvm. Statt nach der berühmten goldenen Nadel im Heuhaufen zu suchen, kaufe ich lieber einen möglichst großen Teil des Heuhaufens. Und auf den passe ich dann gut auf.

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