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Kein Pardon: Verlieb Dich nicht in Deine Aktien!

Ich hatte dieser Tage eine harte Entscheidung zu treffen. PAX Global Technologies, mein erstes Investment an der Börse Hongkong, verkündete bei Vorlage der Jahresergebnisse für 2025 am 19. März 2026, dass der Aufsichtsrat beschlossen hat, für das zurückliegende Geschäftsjahr keine finale Dividendenzahlung zu empfehlen.

Ich habe im Juni 2025 in den Entwickler und Produzenten von Zahlungsterminals investiert. Jeder kennt wahrscheinlich die kleinen Terminals, die einem in Restaurants, in Fast Food Restaurants, im Einzelhandel, in Hotels oder auch in Zügen entgegengehalten werden, mit denen man dann bargeldlos bezahlen kann. Pax Global Technologies ist Marktführer bei den Android-basierten Geräten dieser Art. In meinem Video „Aufbruch nach Fernost: Mein erstes China-Investment“ habe ich die Aktie des Monats April 2025 ausführlich vorgestellt. Als ich im Oktober in Asien war, habe ich sogar einen Abstecher nach Shenzhen gemacht, um mich mit dem Vice-President für Investor Relations zu treffen und mir vor Ort einen Einblick in das Unternehmen zu verschaffen. Ich war tief beeindruckt von dem neuen, erst 2024 gebauten Headquarter, das übrigens ohne einen einzigen Cent Fremdkapital aus dem Cashflow der Firma gebaut wurde.

Der Markt für bargeldloses Bezahlen wächst rasant – ob nun mit oder ohne Kreditkarte, mit dem Handy oder per QR-Code – die Technik von PAX Global Technologies bedient faktisch jedes Segment. Der Umsatz der Firma stieg von 323 Mio. Hongkong Dollar im Jahre 2007 auf 8,07 Mrd. Dollar im Jahr 2022. Das starke Umsatzwachstum wurde von der Corona-Krise natürlich befeuert – bargeldloses Zahlen wurde dadurch auf breiter Front immer populärer. Es gab Rekordauslieferungen bei den Geräten, von den über 8 Mrd. HKD Umsatz verblieben netto 1,25 Mrd. Dollar als Gewinn.

Seit dem Ende des Corona-Booms allerdings sinken die Umsätze und fielen 2025 auf noch 5,89 Mrd. HKD. Die fallenden Umsätze waren mir vor einem Jahr beim Einstieg bekannt und haben mich nicht sonderlich beunruhigt, denn ich sah hier eine Normalisierung nach dem Boom. Außerdem schaffte es das Unternehmen, seine hohen Gewinnmargen relativ gut zu verteidigen: Über 15% Nettomarge waren es 2022 im Rekordjahr, im Jahr 2025 fiel die Netto-Gewinnmarge auf 12,79%. Das Unternehmen notierte unter seinem Buchwert, es gibt faktisch keine langfristigen Schulden, während das Eigenkapital stetig wächst.

Während der Vorlage der Jahresergebnisse wies das Unternehmen nun darauf hin, dass die Beschaffungskosten insbesondere für die elektronischen Speicherchips, die für die Hardware gebraucht wurden, sich deutlich verteuert haben. Der Trend begann im zweiten Halbjahr 2025. Seit dem vierten Quartal 2025, also im Laufe der ersten drei Monate 2026, haben sich die Preise noch einmal verdoppelt, teilweise sogar verdreifacht. Ein Grund hierfür ist der rapide gestiegene Bedarf an Memory Chips durch die rasante Entwicklung im Bereich Künstliche Intelligenz – es werden Unmengen von Hardware gebraucht, teilweise sind ganze Jahresproduktionen im Voraus bereits ausverkauft.

Die Folgen sind mindestens zweifacher Natur: Die hohen Beschaffungskosten drücken einerseits kurzfristig auf die Gewinnmargen des Unternehmens. Schon im vergangenen Jahr ist die Bruttomarge um 360 Basispunkte gefallen und für das gerade begonnene Geschäftsjahr wird eine niedrigere Marge erwartet.

Die Geschwindigkeit der Preissteigerung wiederum macht es unmöglich, diese Kosten umgehend an die Kunden weiterzugeben – kurz: Es braucht Zeit, bis die Kosten über Preiserhöhungen in diesem wettbewerbsintensiven Umfeld an Kunden durchgereicht werden können.

Was das Unternehmen selbst tun kann – etwa Einsparungen bei den Verkaufskosten, bessere Arbeit mit dem Umlaufkapital, Personaleinsparungen und die Konzentration des Produktportfolios auf hochpreisige und margenstarke Geräte sowie den Ausbau des Software-Service-Segments – ist bereits in Angriff genommen.

Neben den höheren Beschaffungskosten kommen noch weitere Unwägbarkeiten hinzu: Einerseits alles, was mit Zöllen zu tun hat. Zweitens eine höhere Steuerlast durch die so genannte „Pillar Two“-Steuer, eine globale Mindeststeuer von 15%, mit der internationale Firmen in OECD-Ländern belastet werden sollen, sobald die lokale Steuerlast unter 15% liegt. Drittens ist der Wettbewerb härter geworden, denn eine so profitable Marktnische zieht erfahrungsgemäß andere Wettbewerber an, die hier Geld verdienen möchten und die Margen drücken.

Während des Earnings Calls am 20. März wurde außerdem eines deutlich: Man rechnet für das laufende Jahr mit weiter um bis zu 10% fallenden Umsätzen und Gewinnen und sieht keinen Hinweis auf Licht am Ende des Tunnels.

Kurz: Die Streichung der Dividende ist eine harte, aber wahrscheinlich aus Sicht des vorsichtig agierenden Managements sinnvolle und notwendige Maßnahme. Wäre ich der CEO und im Aufsichtsrat, hätte ich wahrscheinlich dafür votiert.

Für mich stellt sich aber damit die Frage, ob PAX Global Technologies ohne Dividende für einen einkommensorientierten Investor interessant ist. Die Antwort ist für mich ein klares Nein. Es gibt andere Firmen, denen ich mein Geld anvertrauen kann und die mir eine angemessene Vergütung dafür zahlen. Ich werde meine Position auflösen und mich nach Alternativen umsehen. Der Verlust ist verschmerzbar, denn mein komplettes Investment beläuft sich auf etwa 1.600 Euro. Gute 100 Euro sind bereits an Dividenden an mich zurückgeflossen. Zum aktuellen Kurs – die Aktie ist nach Verkündung der Streichung um rund 13% gefallen – macht der Rest etwa 0,19% meiner Kontogröße aus, das kann ich verschmerzen. Das Geld kann ich wieder neu investieren und damit sofort wieder Einkommen generieren. Natürlich könnte man so eine kleine Summe auch als Position stehen lassen, aber: Dieses Geld wäre „totes Geld“, das mir keinerlei Cashflow bringt. Denn es gibt auch keine Optionen, mit denen ich PAX bewirtschaften könnte. Also: Weg damit. Warum mir die Entscheidung bei der vernachlässigbaren Positionsgröße schwer fiel?

Der Vizepräsident für Investor Relations hat mich seinerzeit sehr freundlich empfangen, sich viel Zeit genommen, mich durch die Firma zu führen, meine Fragen sehr offen beantwortet. Am Ende geht es aber nicht um Sympathie und Mitgefühl für die aktuellen Probleme der Firma, sondern um Cash.

Die Aktie bleibt auf der Watchlist und könnte später zurück in meine Depot finden, wenn sie wieder meinem Ziel dient – einem stetig steigenden Einkommen.

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