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Während ich auf Zypern war, fand in Omaha/Nebraska am 2. Mai 2026 das „Woodstock des Kapitalismus“ statt. Die Hauptversammlung von Berkshire Hathaway, der Holding von Investment-Legende Warren Buffett, lief in diesem Jahr erstmals unter neuem Vorsitz: Warren Buffett hat bekanntlich zum 1. Januar 2026 die Geschäftsführung an Greg Abel übergeben. Damit kam diesem zum ersten Mal die Aufgabe zu, das jährliche Aktionärstreffen zu moderieren.
Ganz ohne Buffett ging es natürlich auch dieses Mal nicht ab. Das Orakel aus Omaha saß im lila Pullover im Publikum, würdigte von dort aus gleich zu Beginn seinen neuen CEO und Tim Cook, den scheidenden CEO von Apple. Wie Buffett süffisant kommentierte: „Wir haben vor etwa zehn Jahren 35 Milliarden Dollar an Tim Cook zur Verwaltung übergeben und der hat in zehn Jahren daraus 185 Milliarden gemacht, ohne dass ich einen Finger krümmen musste. Das verdient schon eine Verneigung.“
Greg Abel war sich der Größe seiner Aufgabe bewusst, er scherzte gleich zu Beginn: Als Warren Buffett vor einem Jahr seinen Rückzug bekanntgab, war sein erster Gedanke: O Gott, wir haben ja schon die Arena gebucht. Vielleicht sitze ich dann da allein mit dem Direktorium und ein paar Familienangehörigen. Ganz so schlimm kam es dann doch nicht – aber statt der üblichen 40.000 Teilnehmer reisten nach bisher unbestätigten Zahlen etwa 30 bis 50% weniger Teilnehmer an.
Die Besucher erlebten nicht nur einen neuen Moderator, sondern auch eine leicht abgeänderte Choreografie: Es gab drei Blöcke, zwei am Vormittag, einen am Nachmittag.
- Zunächst legte Abel die Geschäftszahlen für das erste Quartal vor, erläuterte ausführlich, aber allgemeinverständlich die Zahlen.
- Dann beantwortete er mit seinem Vizepräsidenten Ajit Jain, dem Chef der Versicherungssparte von BRK, die ersten Fragen aus dem Publikum und von Becky Quick, der CNBC-Moderatorin, die seit Jahren die vorab eingesandten Fragen der Aktionäre aus aller Welt auswählt und vorträgt.
- In einem dritten Block nahmen dann nachmittags die Geschäftsführer der BNSF Railways, Katie Farmer, und der CEO von NetJets und Präsident des Unternehmensbereichs Konsumgüter, Dienstleistungen und Einzelhandel, Adam Johnson neben Greg Abel Platz.
Was habe ich von der Veranstaltung für einen Eindruck? Zunächst einmal atmete auch diese 61. Hauptversammlung den Geist und die Kultur, die von Charlie Munger und Warren Buffett geprägt wurden: Es ging um partnerschaftlichen Umgang mit den Aktionären, um Langfristigkeit, Ehrlichkeit, Nachhaltigkeit, Integrität. So wurde beispielsweise ein Video der Anhörung von Warren Buffett vor dem US-Senat aus dem Jahr 1991 gezeigt, als dieser im Zuge des Finanzskandals bei Solomon Brothers dort Rede und Antwort stehen musste.
Ein paar Dinge fielen mir auf:
- Berkshire Hathaway setzt sich intensiver mit dem Thema Künstliche Intelligenz auseinander, als man es von einem Konglomerat dieser Art erwarten würde. Das wurde schon daran deutlich, dass der erste „Fragesteller“ ein Deepfake-Warren-Buffett war, der sich danach erkundigte, warum er und seine Familie weiterhin ihre Aktien von BRK halten sollten. Buffetts Fremdeln mit neuen Technologien ist also überwunden, die gesamte Unternehmensgruppe arbeitet daran, mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz Effizienzreserven zu heben.
- Buffett selbst äußerte sich in einem Interview in der Pause zum derzeitigen Investitionsklima und bezeichnete es als ein „nicht ideales Umfeld“. Er habe noch nie so viele Menschen mit Geld in Glücksspielermentalität an den Märkten erlebt. Während wir in Zypern über Zero-DTE-Optionen diskutierten, hinterfragt Buffett die Sinnhaftigkeit solcher Geschäfte und bezeichnet sie als Glücksspiel.
- Das neue Format mit den Führungskräften auf der Bühne sollte demonstrieren, dass auch nach Buffetts Rückzug aus dem aktiven Geschäft eine kompetente und personell starke Führungsriege von CEOs bereit steht, die Berkshire Hathaway weiterentwickeln wird. So wurden auch Videos über einzelne Unternehmen von Berkshire gezeigt, in denen etwa die CEOs von GEICO, NetJets oder von BNSF zu Wort kamen.
- Greg Abel selbst überzeugt durch einen gesunden Humor, gepaart mit einer erstaunlich detaillierten Sachkenntnis im operativen Bereich. Während Buffett und Munger in den zurückliegenden Jahren eher als „Investment-Legenden“ auftraten und sich mehr philosophisch und allgemein äußerten, merkt man Greg Abel an, dass er nicht von Hause aus Investor und Money-Manager ist, sondern eher aus dem unternehmerisch-operativen Bereich kommt. Trotzdem scheint es, als hätte er die Investmentphilosophie seiner großen Lehrer Munger und Buffett komplett verinnerlicht.
- Erstmals erlebte ich auch einen entspannten und amüsanten Ajit Jain, der streckenweise an der Seite von Greg Abel wirkte wie seinerzeit Charlie Munger an der Seite von Warren Buffett.
Was habe ich mitgenommen für meine konkrete Arbeit?
Berkshire sitzt aktuell auf einem 380 Milliarden Dollar großen Berg an US-Staatsanleihen und Barmitteln, Berkshire war im letzten Quartal ein Nettoverkäufer von Aktien. Insgesamt hat die Firma damit mehr als 31% ihrer gesamten Vermögenswerte in Liquidität – Cash und US-Treasury Bills. Eine so hohe Barmittelquote zeugt von der aktuell wenig attraktiven, sprich hohen Bewertung der Märkte. Der Buffett-Indikator, der die Marktkapitalisierung des US-Aktienmarktes ins Verhältnis zum BIP setzt, steht bei 225%, ein Wert, von dem Buffett einst sagte, wer bei solchen Bewertungen investiere, spiele mit dem Feuer.
Hier kommt unser Vorteil als Kleininvestoren ins Spiel: Berkshire kann keine kleinen Unternehmen oder Positionen kaufen. Für mich als privaten Investor bedeutet das, genau hinzuschauen, wenn ich investiere. Es ist immer noch möglich, hier und da gute Unternehmen zu fairen Preisen zu erwerben. Aber ich werde nicht auf Vollgas gehen, sondern eher Cash sammeln.
Buffett stand in seiner eigenen Historie zweimal vor diesem Bewertungsproblem: 1969 waren die Märkte so teuer bewertet, dass er seine Partnership auflöste, weil er keine attraktiven Unternehmen mehr finden konnte. Und 1999 ging es ihm ähnlich, als vor dem Platzen der DotCom-Blase der Bargeldbestand kräftig anschwoll. In den nachfolgenden Abschwungphasen der Aktienmärkte konnte er daher kräftig einkaufen – in den 70ern und bekanntlich auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008/2009. Die Geduld beim Einkauf hat sich ausgezahlt.
Für mich war diese hohe Cash-Position eine Bestätigung einer für mich erstmals getroffenen Entscheidung: Ich habe am 21. April erstmals 20.000 US-Dollar für vier Wochen in kurzlaufenden US-Staatsanleihen geparkt. Ich empfehle jedem, sich die Hauptversammlung anzusehen. Es müssen nicht fünf Stunden am Stück sein, es gibt viele kleine Ausschnitte, die auf Youtube oder CNBC zu sehen sind. Es ist für mich ein Lehrstück dafür, wie Profis auf ihr Geld aufpassen. Dabei wünsche ich uns weiterhin viel Erfolg!




