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Man könnte meinen, im Technologiesektor finden sich nur überbewertete Aktien, denn kein Sektor hat in den vergangenen zehn Jahren so gut performt, wie die Technologie. Der Sektor-ETF XLK stieg um mehr als 616%, der S&P 500 hingegen um 259%.
Aber weit gefehlt: Auf meiner ewigen Watchlist finden sich gut 20 Unternehmen, die ich im Technologiesektor permanent verfolge. Darunter sind natürlich alle großen Namen des Sektors. Und tatsächlich sind ASML, Lam Research, NVIDIA, MSFT und viele andere Dickschiffe weit von Kaufkursen entfernt, sodass ich sie aktuell nicht kaufen kann.
Interessanterweise gibt es aber auch drei Unternehmen, die im unteren Dezil ihrer 52-Wochen-Handelsspanne notieren und daher einen genaueren Blick verdienen. HPQ und Salesforce sind heiße Kandidaten für Käufe. Der derzeit vielversprechendste Wert aber ist ein Unternehmen, das seit 15 Jahren die Dividende jährlich steigert, und zwar im Schnitt um mehr als 10%. Ich rede von Paychex.

Es handelt sich um einen Software-Dienstleister für kleine und mittelständische Unternehmen aller Art, der sich auf externe Personalverwaltung spezialisiert hat. Paychex erledigt die Gehaltsabrechnungen für Firmen, verwaltet Urlaubs- und Vertretungspläne, führt Arbeitszeitnachweise, verwaltet auch die Pensionspläne, Kranken- und Berufsunfähigkeitsversicherungen der Beschäftigten. Das Unternehmen hilft bei Personalsuche und -freisetzung, beim Beschaffen von Saisonkräften oder Leihpersonal, stellt sicher, dass die immer komplexer werdenden Compliance-Vorschriften für Personalverwaltung eingehalten werden. Alles Tätigkeiten, die in jedem Unternehmen anfallen, die dort Ressourcen binden, aber eigentlich nicht zum Kernaufgabengebiet einer Firma gehören. Daher wird der gesamte Komplex gern outgesourct. Paychex ist dabei eine Art Frühindikator für die konjunkturelle Entwicklung: Wird Personal gesucht, kann das Unternehmen helfen und verdient mehr Geld. Wird Personal abgebaut und die Konjunktur schwächelt, verdient das Unternehmen tendenziell weniger.
In der Vergangenheit war PAYX sehr teuer bewertet, im 15-Jahres-Durchschnitt mit einem KGV von mehr als 26,5. Die Gewinne wuchsen jahresdurchschnittlich um 9,16% pro Jahr, die Dividenden ähnlich schnell. In den vergangenen zehn Monaten jedoch stürzte der Aktienkurs regelrecht ab – von mehr als 161 Dollar auf inzwischen nur noch 106 Dollar. Das KGV sank demzufolge von fast 32 auf inzwischen knapp über 20. Die Dividendenrendite stieg dadurch auf über 4,05%.
Trotzdem bin ich noch sehr vorsichtig, was einen Einstieg angeht. Denn auch das 20er KGV könnte sich als teuer erweisen. Das PEG beziffert nämlich finviz.com derzeit mit 2,19, was bedeutet: Für einen Dollar zukünftigen Gewinn des Unternmehmens zahle das 2,19fache des aktuellen Preises.
Die Analysten, die bei Paychex meist richtig liegen, prognostizieren nur einen Gewinnanstieg in der Zukunft von ca. 7,5% p.a. und das ergäbe bei einem zukünftigen 15er KGV noch einen Aktienkurs von 94,49 Dollar.

Die Jahresrendite beliefe sich damit auf nur noch 0,83% und das ist mir zu wenig. Ich könnte mir ein Investment natürlich schön rechnen und darauf spekulieren, dass das KGV trotz der niedrigen Wachstumsrate wieder auf den 15-Jahres-Durchschnitt steigt.

Dann hätte ein sofortiger Kauf ein Renditepotenzial von über 25% p.a., der Aktienkurs könnte wieder in Richtung der Allzeithochs bei über 160 Dollar steigen. Als konservativer Investor sind aber solche Kurs-Spekulationen nicht mein Ding. Sollte sich der US-Arbeitsmarkt weiter abkühlen, könnte der Aktienkurs zügig weiter fallen und zweistellig werden. Der charttechnische Abwärtstrend ist intakt und ich habe keine Ahnung, wann der Kursverfall zum Stehen kommt. Das erwartete Wachstum passt nicht zu einem hohen KGV, also gilt: Vorsicht walten lassen.
Eine gewisse Sicherheit bieten die 4%ige Dividende und die mehr als 10%ige Dividendensteigerung pro Jahr. Paychex könnte zu den Profiteuren der KI-Welle gehören, wenn es dem Unternehmen gelingt, das Potenzial künstlicher Intelligenz in die eigenen Geschäftsprozesse zu integrieren. Es könnte aber genauso gut ein Verlierer werden, wenn Unternehmen großflächig den externen Service-Provider Paychex durch eigene, innerbetriebliche KI-Lösungen ersetzen. Welches Szenario eintritt, kann ich nicht einschätzen. Daher habe ich keine Eile und warte geduldig in der Nähe von 95 Dollar auf einen Einstieg und auf die nächsten Unternehmenszahlen. Aktuell ist das mein Kauflimit und auf diesem Strike habe ich auch einen Put für mehr als 1.100 Dollar verkauft.
Der Technologiesektor bleibt spannend, hier ist in den vergangenen Wochen viel im Fluß – sowohl auf-, als auch abwärts. In der aktuellen Berichtssaison tun sich vielleicht noch weitere Chancen auf, daher: Gut aufpassen aufs liebe Geld und immer etwas Pulver trocken halten, um lukrative Chancen auch tatsächlich nutzen zu können.




